Kolumne

John Rambo: The Videogame oder PEGI 18 ist nicht genug

„Rambo: The Videogame“ oder wie bringen wir möglichst viel Brutalität und Pixelblut in 1:38 Minuten. Dabei fängt der Trailer eigentlich echt harmlos an, ein idyllisches Waldgebiet, ein paar Männer im Wald und dann kommt er, John Rambo. Ein Typ bei dem man einfach nur schreien möchte:“Alter! Die 80er haben angerufen und wollen ihre Frisur wieder haben oder soll das ein Helm sein?“. Denn eins kann „Rambo: The Videogame“ ganz besonders gut, verdammt schlecht aussehen.

Naja, verdammt schlecht eigentlich gar nicht mal, eher verdammt alt. Effekte die wir auf Lara Croft schon vor 10 Jahren gesehen haben, die damals aber als grafische Revolution gefeiert wurden, sehen heute eigentlich nur noch billig aus.

Das Problem dabei ist, dass unser guter John Rambo auch noch Oben ohne herumrennt, was dem ganzen nochmal den Touch des eingeölten Chippendale-Zuhälter-Massenmörder-Typen gibt. Wie gesagt, die Frisur die unser guter John Rambo da zur Schau trägt, sorgte in den 80ern schon für massenweise Fremdscham.

Dann erreichen wir Sekunde 52 des Trailers und dann geht es einfach nur noch bergab: Blutfontänen, Explosionen und Tritte in die Weichteile- John Rambo macht alles, was wir im wahren Leben noch nicht mal zu träumen wagen, hoffentlich. Eine wahre Flut von Entkörperungen, anders kann man es nicht nennen, wenn der liebenswerte Protagonist sich durch die Reihen der Gegner schlachtet und mindestens einen Körper einfach nur in eine matschige Blutlache verwandelt. Die Masse an Blut die dabei aus diesem Pixelbrei herausschießt, würde für 5 Körper reichen.

Aber das Schöne ist, dass sich Rambo so richtig einsaut und mit seiner Umgebung verschmilzt, nur um im nächsten Moment sein Messer in den Hals eines Gegners zu rammen, in Großaufnahme, anatomisch nicht ganz korrekt, keine Adern, aber literweise Blut.

Jetzt mag der Eine oder Andere sagen:“Hey, genial, das ist genau das Spiel, das ich in jedem Falle spielen werde!“. Ja, das kann ich auch irgendwie nachvollziehen, ich sehe nur jetzt schon wieder die ersten Aufschreie: Computerspiele rufen zur Gewalt auf! Der Amoklauf des Jungen/Mädchen war vorprogrammiert, er spielte Killerspiele!

Ich will damit ja nicht dazu aufrufen, Gewalt komplett aus Spielen zu verbannen, Gott bewahre, dafür gibt es für derlei Interessen genügend Interessenten. Es sollen auch nicht einfach nur noch Spiele für den breiten Markt erscheinen, wir brauchen keine 1000 „Die Sims 25“ Clone. Aber brauchen wir in dem Fall, hier kann man tatsächlich davon reden, wirklich eine Art Hyperrealismus in Killerspielen? Das ich einem Gegner ein Messer durch den Hals schieben kann ok, aber brauche ich dazu zwingend dann eine blutspritzende Großaufnahme des Ganzen? Auf mich wirkt das nach Effekthascherei und Medienmache. Marketing in Pixelblut geschrieben, ist es das, was inzwischen einen Trippel AAA Titel ausmacht? Ich denke nicht.

Was waren das noch für Tage in denen sich Laverne in „Day of the Tentacle“ strikt dagegen weigerte den vor 100 Jahren eingefrorenen Hamster in die Mikrowelle zu legen, weil er davon drauf gehen könnte. Irgendwie wusste man vor ein paar Jahren noch, dass man auch gute Spiele machen kann, ohne das Massensterben irgendwelcher Pixelberge zu verursachen. Wo sind sie hin, die sympathischen Helden, die ohne das Töten auskommen?

Also John Rambo, wenn es nach mir ginge, dürftest du gerne wieder in der Versenkung verschwinden, in der dein, über  4 Filme, geschundener Körper die letzten 30 Jahre lag. Aber das wird mir nicht gegönnt sein. Vielleicht sollte man über eine Special Edition nachdenken, „John Rambo: The Videogame“ und ein Lehrbuch aus dem ersten Lehrjahr eines Schlachters als Artbook.

Mein Vorschlag wäre dann aber noch eine Kotztüte, damit man die unfassbar bescheidene Grafik von „John Rambo: The Videogame“ auch nur im Ansatz ertragen kann.

Damit Du überhaupt weißt worum es geht, hier der Release Trailer zu John Rambo:

Und als Vergleich, der Release Trailer zu Day oft he Tentancle:

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